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Interview: Hybrid Cloud – Naht das Ende der Hyperscaler?

Im Vorfeld des Digitalsummit ScaleUp 360° Xaas Evolution hat we.CONECT Global Leaders mit Heinz-Joachim Schmitz, CTO IBM DACH bei IBM über die Hybrid Cloud Architektur und ihre Fähigkeiten gesprochen

we.CONECT: Welche Herausforderungen kommen auf Unternehmen und deren IT zu im Prozess der digitalen Transformation?

Heinz-Joachim Schmitz:

Die Covid-19 Pandemie hat die Notwendigkeit des digitalen Wandels nochmals eindrucksvoll verdeutlicht. So gibt es Analysen darüber, dass 76% der befragten Unternehmen erkannt haben, das der aktuelle Reifegrad der Digitalisierung zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen nicht ausreichend ist. Weiterhin sagen 96% der befragten Unternehmen, dass die Pandemie die digitale Transformation um 5.3 Jahre beschleunigt hat und somit den Druck zum Handeln in Bezug auf die digitale Transformation deutlich erhöht hat. Im Kontext dieser Herausforderungen haben Unternehmen daher für sich im Wesentlichen drei Schwerpunkte definiert. Erstens muss die IT viel stärker dezentralisiert, offen und sicher aufgestellt werden. Hierzu braucht es eine hybride, offene und sichere Cloud Plattform, die sich über alle relevanten Lokationen, wie das eigene Rechenzentrum, die bereits genutzten Public Clouds sowie die entfernten Lokationen („Edges“) wie Produktionsstätten, spannt. Diese Plattform ermöglicht es auch z.B. einen Vendor Lock-In zu vermeiden, eine konsistente Security Policy automatisiert über die gesamte Plattform zu legen oder auch die Portabilität zwischen Public Cloud Providern erst zu ermöglichen. Eine neue Metrik, die hier immer mehr in den Fokus rückt, ist der sogenannte PTO (Portability Time Objective). Dieser gibt Auskunft darüber, ob überhaupt und wenn ja wie lange es dauert, eine Anwendung von einer Cloud in eine andere zu verlagern. Diese kann insbesondere für kritische Unternehmensanwendung eine sehr wichtige Rolle spielen. Zweitens die konsequente Einführung von Automation in allen Unternehmensbereichen inkl. der IT. Themen wie AI Ops in der IT oder auch RPA zur Automatisierung von Geschäftsabläufen sind hier Kern der Überlegungen und zu guter Letzt die Einführung von KI-Fähigkeiten, um mehr Erkenntnisse aus den Daten, im als auch außerhalb des Unternehmens zu gewinnen, um bessere, faktenbasierte Entscheidungen treffen zu können.

we.CONECT: Was muss berücksichtigt werden beim Aufbau einer Hybrid Cloud?

Heinz-Joachim Schmitz:

Wir sprechen bei der IBM immer von einer Reise (Journey) in die hybride Cloud. Diese Reise ist für jeden Kunden individuell festzulegen und orientiert sich dabei an dem aktuellen Status Quo der vorhandenen IT Landschaft und den Zielsetzungen des Kunden. Im Kern ist es jedoch wichtig, dass berücksichtigt wird, dass sich das ganze Vorhaben nicht nur um Infrastruktur dreht. Ich selbst spreche hierbei immer sehr gerne von einem „vermaschten Quadrathlon“. Es geht also hierbei um vier Disziplinen, die für eine erfolgreiche Reise betrachtet werden müssen. Die vier Disziplinen sind Infrastruktur (z.B. Open Technology, Container, etc.), Daten (z.B. Daten Architektur, Daten Lokalisierung etc.), Applikationen (z.B. Cloud-Native and Cloud-Ready Apps und Microservices etc.) und der IT Betrieb (z.B. DevSecOps, SRE etc.). Wie bei einer Reise, ist es wichtig, das Ziel zu definieren. Daher ist einer der Kernaufgaben zu Beginn, zu definieren, wie die passenden Zielbilder, unter Berücksichtigung der Anforderungen, für die vier Disziplinen aussehen. Warum „vermascht“? Weil im Gegensatz zu einem Triathlon, bei dem die einzelnen Disziplinen nacheinander gemacht werden, ist es bei der Reise in die hybride Cloud so, dass die vier Disziplinen in Abhängigkeit zu einander stehen und sehr genau darauf geachtet werden muss, dass die Weiterentwicklung der einzelnen Disziplin im Sinne des Reifegrades und der Fähigkeiten zusammenpassen und damit auch zusammen funktionieren.

we.CONECT: Welche Rolle spielen die richtigen Tools beim Managen einer Hybrid Cloud? Und welche Tools sind für den Betrieb unabdingbar?

Heinz-Joachim Schmitz: Die richtigen Tools für das Managen von hybriden Umgebungen sind genauso wichtig, wie die abgestimmten Betriebsabläufe und die Skills und die Expertise der Menschen, die diese Umgebungen managen. Es braucht Tools wie zum Beispiel unser Cloud Pak for Multi-Cloud Management, was es ermöglicht, die Komplexität einer hybriden Cloud Landschaft von einer zentralen Stelle aus zu managen, um zum Beispiel per Knopfdruck einheitliche Policies auf alle Kubernetes Cluster zu verteilen. Es braucht aber auch Tools, die den Automationsgrad im täglichen Betrieb nachhaltig verbessern. Hierbei denke ich an die Funktionalität der Runbook Automation im Red Hat Openshift, die „Operators“ genannt werden. Ich denke aber auch an die „Developer Experience“. Hier sehe ich z.B. das Thema der „Open Toolchains“, die ein automatisiertes und konsistentes Verteilen von neuen Anwendungen ermöglicht. Bei all den ganzen Tools ist es jedoch zwingend notwendig, dass sich diese harmonisch in die Abläufe der IT Betriebsführung integrieren und die Menschen, die damit umgehen sollen, entsprechend ausgebildet sind.

we.CONECT: Vielen Dank für das Interview!

Für tiefere Einsichten zum Thema, nehmen Sie am ScaleUp 360° Xaas Evolution teil:

Dem einzigen branchen- und zuständigkeitenübergreifenden Digitalsummit für Use & Business Cases von Public Cloud Services im deutschsprachigen Raum.