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Interview mit INNEO Solutions: Onshape – Das Schweizer Taschenmesser für agile Produktentwicklung

Im Zusammenhang mit der ScaleUp 360° Agile PEP, dem Digitalsummit für den agilen Produktentwicklungsprozess im produzierenden Gewerbe der deutschsprachigen Industrie, hat we.CONECT Global Leaders mit Ludwig Haas (Assistent der Geschäftsleitung) von INNEO Solutions GmbH ein Interview über ihren Vortrag auf der Agile PEP geführt.

INTERVIEW-PARTNER

Ludwig Haas, INNEO Solutions GmbH & Barbara Duna, we.CONECT Global Leaders GmbH

we.CONECT: Welche Aufgaben würden Sie im Rahmen Ihrer Zuständigkeit in Ihrem Unternehmen als besonders interessant hervorheben? Was in Ihrer Rolle empfinden Sie als besonders aufregend, was begeistert Sie an Ihrem Job?
Ludwig Haas: Den Teil meiner Aufgaben, in dem es darum geht, bestehende Prozesse zu optimieren und neue Prozesse aufzubauen finde ich besonders spannend. Gerade bei Kunden mit etablierten Prozessen bringen neue Technologien oft eine andere Perspektive auf Probleme und eröffnen neue Möglichkeiten.
we.CONECT: Welche Themenschwerpunkte im Rahmen der Konferenz sind für Sie besonders wichtig und warum?
Ludwig Haas: Ich freue mich immer darüber, wenn Firmen sich öffnen und darüber berichten, wie sie agile Ansätze im Unternehmen etabliert haben. Der Erfahrungsaustausch zeigt anderen Unternehmen, dass es möglich ist, die Konzepte tatsächlich in der Realität umzusetzen. In meinen Augen ist dies auch genau der wichtigste Schritt: Vom theoretischen Konzept, in die Umsetzung zu gehen. Ich bin sehr auf die Vorträge gespannt, bei denen die Umsetzung im Vordergrund steht.
we.CONECT: Bei der Produktentwicklung im Maschinen- und Anlagenbau setzen bislang nur wenige Unternehmen tatsächlich auf agile Ansätze. Betrachtet man die Werkzeuge zur Produktentwicklung ist dies nur verständlich, da traditionelle CAD/PDM Systeme die Umsetzung agiler Ansätze nur begrenzt zulassen. Wo sehen Sie hier den größten Anpassungsbedarf, um den speziellen Anforderungen im MuA gerecht zu werden?
Ludwig Haas: Besonders bei Produkten mit geringer Losgröße ist das Kundenfeedback die wichtigste Währung. Wer nur 1-5 Kunden pro Projekt hat, der kann es sich nicht leisten, einen davon zu enttäuschen. Bei klassischen CAD Systemen müssen Daten exportiert und per Email versendet werden, damit wertvolles Kundenfeedback eingeholt werden kann. Mit dem Kunden dann gemeinsam auf Daten zu schauen, oder parallel weiter zu entwickeln ist nur umständlich möglich. Genau hier setzt Onshape an und erlaubt, dass die Daten nie das unternehmenseigene System verlassen müssen. Es genügt, einen Link an den Kunden zu schicken und dieser zeigt immer die aktuellste Version der Daten. Feedback kann also öfter und mit einer besseren Informationsgrundlage eingeholt werden. Und dabei bleiben die Daten immer sicher unter ihrer Kontrolle. Der gewährte Systemzugriff kann direkt wieder entzogen werden – herausgegebene Kopien hingegen sind unter Umständen eine heikle Sache.
Ein weiteres Beispiel ist bei Produkten mit kurzen Lebenszyklen. Hier zählt jede Stunde Entwicklungsarbeit und Dateien nicht bearbeiten zu können, weil sie ausgecheckt sind, ist ein erheblicher Nachteil. Deshalb können in Onshape mehrere Ingenieure gleichzeitig am selben Modell arbeiten. Wer sich dabei in die Quere kommt, der kann auch in einer Nebenversion des Modells eine eigene Entwicklungsidee verfolgen. Am Ende des Tages ist jeder produktiv und das robuste Produkt kann aus mehreren Alternativen ausgewählt werden.
we.CONECT: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der Ansprache von Unternehmen im deutschsprachigen MuA? Was sind bspw. Bedenken von Entscheidern aus den Unternehmen im Zusammenhang mit der Einführung einer neue CAD/PDM Software?
Ludwig Haas: Ich bin vollkommen auf der Seite der Entscheider: ein CAD/PDM System ist für Entwicklungsunternehmen eine geschäftskritische Applikation, die man im Blick behalten und ständig optimieren sollte. Hinzu kommt, dass bisherige Prozesse ja auch weitestgehend stabil ablaufen. Ein Systemwechsel ist also genau dann sinnvoll, wenn man wertvolle Optimierungspotentiale in diesem Bereich erkennt. Von jetzt auf nachher die gesamte Produktentwicklung auf links zu drehen halte ich für ein gewagtes Manöver und dazu besteht manchmal auch kein Grund. Es wird auch in Zukunft noch den Bedarf für klassische Produktentwicklung geben, doch aufgrund der wachsenden Anforderungen steigt auch der Bedarf für agile Elemente. Im Kern richtet sich Onshape an Unternehmen, die neue und bessere Wege suchen. Häufigstes Mittel sind Pilotprojekte, in denen agile Ansätze ausprobiert werden. Onshape liefert hierfür die Möglichkeiten, agile Ansätze auszuprobieren und hat gleichzeitig geringe Einstiegshürden. Das System ist in 2 Minuten lauffähig – so schnell haben Sie noch nicht mal einen abgegrenzten Bereich in Ihrem PDM System erstellt.
Je nachdem wie der Test verläuft, können weitere Bereiche die Software einsetzen, oder auch nicht. Das etablierte System wird erst angegangen, wenn das Pilotprojekt erfolgreich war. Und ganz nebenbei: Onshape bedient auch das Spektrum der klassischen Entwicklungsarbeit hervorragend.
we.CONECT: Welche Lösungen sehen Sie bei Zusammenarbeit agiler Maschinen- und Anlagenbauer mit nicht so agilen Kunden? Wie gelingt es hier eine Brücke zu schlagen zwischen den verschiedenen Arbeitsmodellen?
Ludwig Haas: Die Frage ist, worin sind die Kunden nicht so agil und warum? Dass bestimmte Projektkriterien eingehalten werden müssen, das steht außer Frage. 100% Agilität zu erreichen, halte ich für sehr schwer umsetzbar, aber kleine Schritte zu mehr Agilität möchte jeder gehen. Mir ist bislang noch niemand begegnet, der gemäß dem klassischen Ansatz einen Auftrag abgegeben hat, und dann 6 Monate nichts hören wollte. Ich denke, die Kunde wollen mehr von den agilen Konzepten nutzen, doch es scheitert an dem WIE. Nehmen wir das Beispiel von Onshape. Für die Abstimmung mit Kunden, müssen diese keine Lizenz kaufen. Es genügt ein Blick in den Web-Browser. So gering waren die Hürden für Kundenfeedback noch nie.
we.CONECT: Was möchten Sie durch Ihre Teilnahme an unserem ScaleUp 360° Agile PEP erreichen, welche Botschaft wollen Sie vermitteln?
Ludwig Haas: Agilität, Transparenz, Flexibilität, Kundenorientierung – alles Begriffe, die den Wunsch nach Verbesserung ausdrücken. Ich möchte allen, die bemüht sind, die Prozesse im Unternehmen zum Besseren zu wandeln ein neues Werkzeug an die Hand geben. In dem abstrakten Gebiet der Produktentwicklung, voll von Modellen und Konzepten, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es nun ein Werkzeug gibt, mit dem sich agile Prinzipien konkret umsetzen lassen. Onshape bietet Funktionen, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. Somit steht ein neues Werkzeug zur Verfügung, um bisherige Begrenzungen zu durchbrechen.
Wer die Produktentwicklung flexibler, transparenter und näher am Kunden gestalten will, der braucht kein abstraktes Konzept. Ein konkretes Pilotprojekt ist dank der geringen Einstiegshürden von Onshape schnell umgesetzt und liefert wichtige Erkenntnisse, direkt unter realen Bedingungen.
we.CONECT: Vielen Dank für das Interview!

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